2019.10.01 Time to say good bye

Es ist Zeit unsere Zelte in El Calafate abzubrechen. In den nächsten Tagen ist nicht mehr mit Wellenwetterlagen zu rechnen. Unsere Freunde vom Wissenschaftsteam lassen noch eine letzte Radiosonde aufsteigen, welche Marco mit seiner Drohne filmt.

Ramona fährt uns zum Flughafen, sie will noch einen Temperatursensor an meinem Messequipment wechseln.

Wie meistens, wird’s wieder etwas später als geplant. Wir haben ca. 1.100 km bis nach Bariloche vor uns, zum Glück gibt’s leichten Rückenwind. Beim letzten Flug vom Vortag haben wir, gefühlt, nur wenig mit Motor geflogen. Wir hatten vorher vollgetankt. Mit dem Rückenwind müsste der Spritvorrat gut reichen.

Wir fliegen los. Links von uns ziehen die uns wohlbekannten farbenfrohen Seen vorbei, die die Navigation so einfach machen. Mit fast 240 km/h kommen wir zügig voran. Der riesige Lago Cardiel weit draußen in der Pampa glänzt einmal mehr in türkisgrün des patagonischen Sonnenlichts. Am Lago Buenos Aires dreht der Wind auf etwas mehr westlich und wir müssen uns mehr oder weniger mit der Leistung unseres Rotax zufriedengeben. Die Basis der Cumuli liegt bei 2.000 m.

Der lange Weg nach Norden immer der Cordiliere folgend

Wir entscheiden, oberhalb der flachen Cumuli zu fliegen. Im Motorflug ist das Fliegen ohne Thermik deutlich komfortabler. Allmählich wird es jedoch deutlich dichter unter uns und wir sinken durch eines der letzten Wolkenlöcher wieder unter die Basis. Der Rückenwind ist zu einer immer stärker werdenden Seitenwindkomponente geworden. Entsprechend langsam kommen wir voran. Allmählich rücken die Tankanzeigen in den Focus der Piloten. Bis Esquel reichts auf jeden Fall, aber danach? Ich denke reumütig an den Sprit in der Tankstelle von Calafate. 15 oder 20 Liter mehr im Flügel können so beruhigend sein.

Apropos Flügel, bei dem deutlichen Westwind sollten die passenden Hänge doch tragen. Gesagt, getan. Südlich von Esquel schalten wir den Motor ab und surfen mit deutlichem Vergnügen die verschneiten Hänge entlang. Da die Zeit knapp ist nehmen wir für die Talquerungen einen kurzen Schluck Benzin, auch um den Motor warmzuhalten.

Der Cordon de Esquel ist noch tief verschneit und mit einer Mischung aus Thermik und Hangwind segeln wir ohne Zeitverzug nach Norden. Am Hang von El Maiten geht’s mit fast 3 m/s nach oben. Unser Spritengpass ist behoben. Nach einem letzten Motorhub landen wir in Bariloche, wo uns unser Freund Christian schon erwartet.

Christian in seinem Element!

Der Abend endet mit einem hervorragenden Asado in seinem gemütlichen Haus oberhalb des riesigen Nahu

2019.09.27 Maintenance Tage

Da das Wetter keine großen oder hohe Flüge verspricht, nutzen wir den 26. und 27.09.2019 zu einer notwendigen Wartung unserer beiden Stemme.

Planung der Wartungsarbeiten

Bei der KKOP spinnt die Elektrik immer wieder und die Isolation des Auspuffrohres hat sich gelöst. Nach kurzer Suche ist der elektrische Fehler gefunden, ein Kabelschuh am Generator war ausgeleiert und lose, was letztendlich zu den Elektrikproblemen geführt hat. Vorsichtshalber werden die Massepunkte gereinigt und mit Kontaktspray behandelt. Das Ergebnis ist perfekt, keine Störungen mehr und auch das immer wieder auftretende Störgeräusch im Funk ist weg.

Für die Isolation des Auspuffrohres müssen wir erst entsprechendes Isoalationsmatrial besorgen, was sich als schwieriger als gedacht erweist. Erst in der vierten Ferretería (Werkzeug- und Metallwaren-handel) erhalten wir das notwendige Isolationsmaterial und Befestigungschellen.

Bei der KYTH lässt sich nach einem unbeabsichtigten, durch eine Böhe verursachtem schnalzen lassen der Kühlluftklappensteuerung, die Klappen und der Motordom nicht mehr schließen. Nach längerem suchen stellt sich heraus, dass sich die rechte Kühlluftklappe verhackt hat. Folge dieses verhacken ist, dass sich der Bowdenzug gelängt hat, was ein nachstellen des selben notwendig macht.

Die Arbeit ist schon fast erledigt!

Nachdem die gesamte Verkleidung abgebaut ist, nutzen wir die Gelegenheit den Motor komplett durchzuchecken, Kühlwasser und Öl nachzufüllen, zu tanken, sowie den Flieger insgesamt durchzuschauen und zu reinigen.

Auf nach Hause!

2019.09.25 Celebrating the Champion

Mit dem Flug vom 19.09.2019 hat sich Klaus auf den letzten Metern den Titel des OLC World Champion 2019 gesichert! https://www.onlinecontest.org/olc-3.0/gliding/flightinfo.html?dsId=7606956

Champangnerkorken-Weitwurf-Contest

Das muss gebührend gefeiert werden!

Wir besorgen argentinischen Champagner, bereiten Häppchen vor und treffen uns mit unseren Científicos in unserer cabaña zu einem feucht fröhlichen Abend!

Stemme Team, bigair Team und die Wissenschaftler von der DLR beim fröhlichen Feiern

Dann packt Klaus seine Gitarre aus und nun geht es erst richtig los. Die meisten Lieder können wir mitsingen. Nicht immer schön – aber dafür laut!

Volle Konzentration trotz später Stunde!

Es wird ein sehr langer Abend!

2019.09.24 Angewandte Meteorologie

Nachdem die Wettervorhersage wieder hochreichende Wellen vorhersagt, will Klaus wieder den Höhenflugrekord (maximale Steighöhe im Segelflug – nicht maximale absolute Höhe) angehen, während Thomas mit unserem Meteorologen Markus Garhammer möglichst viele Wellen und Wolkenbilder erfliegen will.

Nach einer Wartezeit von 2 Stunden für den Flugplan, dürfen wir gegen 15:00 Uhr Richtung Westen gegen die deutlich ausgeprägten Wellenstukturen starten.

Schon nach kurzer Motorlaufzeit erreichen wir westlich von Calafate Stadt die ersten Rotoren. Schnell geht es auf 6.000 m. Klaus verbschiedet sich um seinen Höhenrekord zu probieren, während wir den Wellenaufreihungen gegen Norden folgen.

Perito Moreno Gletscher

Erstmalig können wir vom Uppsala Gletscher aus ins Eisfeld hinein schauen. Gerne würden wir weiter nach Norden vorfliegen, aber dort verläuft die chilenische Grenze, welche wir nicht überfliegen dürfen! Wie einfach haben wir es doch als Segelflieger in Europa!

Circo de los Altares

Markus ist begeistert, kommentiert die Wolkenbilder und läßt seine Kamera klicken.

Mystische Stimmung um die Torres

Wir versuchen die Sekundärwelle östlich des Uppsala Gletschers, die ebenso hervorragend funktioniert und fliegen weiter nach Norden Richtung Fitz Roy vor. Da meldet sich Klaus, der seinen Höhenflug in 9.300 m wegen technischer Probleme mit einem seiner Sauerstoffgeräte abgebrochen hat wieder und trifft sich mit uns nördlich des Fitz Roy.

Primärwelle südlich des Uppsala Gletschers, Sekundärwelle südlich desViedma Gletschers, Tertiärwelle eine Hügelkette weiter östlich über dem Viedmasee. Nahzu gleiche Steigwerte in allen drei Wellen.

Wir wagen uns noch etwas weiter nach Norden Richtung Lago San Martin, aber aufgrund des Windfeldes müssten wir noch weiter nach Westen Richtung des O’Higgens Gletscher. Aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit entscheiden wir uns dagegen und fliegen wieder zurück.

Auch die Tertiärwelle östlich des Upsalagletschers trägt hervorragend, Markus ist begeistert!

Wir surfen weiter nach Süden und südlich des Perito Moreno Gletscher steht eine beieindruckende Lenticulares am Himmel. Wir fliegen zu deren tiefer gelegenen Rotorwolken und finden uns in einem Aufwind mit bis zu integrierten 13,4 m/s wieder! Das entspricht einer Vertikalgeschwindigkeit von 48 km/h – Wow!!!

Langsam geht die Sonne unter, sodass wir uns auf den Heimweg machen. Genauso wie es vor der Rotorwolke hoch ging, geht es im Lee auch wieder bergab. Wir sind froh über unsere Ausgangshöhe von 6.000 m, da es ansonsten etwas eng mit dem Anflug auf Calafate geworden wäre.

Bei Windgeschwindigkeiten von ca. 50 km/h, in Böhen bis 75 km/h empfiehlt sich eine Höhe über Grund von 600 m beim Eindrehen in den nahe am Platz liegenden Queranflug. Die Landung fühlt sich dabei trotz 150 km/h Anfluggeschwindigkeit ehr wie eine Hubschrauberlandung an.

Reste der Lenti verglühen am Himmel

2019.09.22 Ruhetag und Zeit das Equipment wieder auf Stand zu bringen

Nach drei anstrengenden Flugtagen war ein Ruhetag mit der Möglichkeit Sauerstoff aufzufüllen und das Meßequipment auf Stand zu bringen mehr als notwendig!

Während Klaus und Thomas noch schlafen hält Andreas diese dramatische morgendliche Lichtstimmung fest. In der Mitte das Wohnmobil welches uns als Expeditionsfahrzeug gute Dienste leistet.
Sehen die Wolken wieder nach Wellen aus?

Nachdem wir bei lokalen Mechanikern uns einige Dichtungen haben drehen lassen und nach Anschaffung eines leider etwas zu schmalbrüstigen ölfeien Kompressor, funktioniert das Füllen der Sauerstoffflaschen gut. Nur etwas Zeit und Muskelkraft muss man für diese Aktion mitbringen.

Für die letzten 25 bar muss der Maximator von Hand unterstützt werden!

2019.09.21 Der Sprung zurück nach Calafate

Am nächsten Morgen starten wir sehr früh um die rund 1.400 km an einem Tag bewältigen zu können. Dies wird durch den noch immer sehr starken Wind aus Südwest nicht gerade vereinfacht!

Um die Strecke zu bewältigen, war es klar, dass wir die Strecke im gemischten Wandersegelflug mit temporärer Motornutzung absolvieren müssen. Bei einer maximalen Motorlaufzeit von sicheren 7 Stunden hätten wir zwischendurch tanken müssen, was logistisch in einem Tag mit dem Zeitaufwand für Administration und Tankabwicklung wahrscheinlich nicht machbar gewesen wäre.

Nach einem Zeitaufwand von 2,5 Stunden für das Tanken in Bariloche, kommen wir später als geplant auf Strecke. Zuerst führt uns der Weg im Motorflug nach El Maiten. Nördlich von Esquel dann plötzlich Turbulenzen und im Blauen – eine tragende Linie? Wir gehen in den Segelflug über und nutzen den wellenartigen Aufwind bis 3.500 m. Wir surfen nach Süden weiter und können so im Segelflug rund 80 km zurück legen. Dann müssen wir den Motor wieder starten, um ihn nicht zu sehr auszukühlen. Bei einer Motortemperatur unter -3 Grad Celsius ist ein anspringen nicht immer gewährleistet.

So geht es weiter Richtung Süden, zwischendurch immer wieder Aufwinde, welche wir im Segelflug nutzen, gefolgt mit Strecken im Motorflug. Gegen den immer noch recht starken Wind ist das Vorankommen mühsam und die Zeit läuft.

So benötigen wir ca. 6,5 Stunden bis der Lago Buenos Aires in Sicht kommt. Für die weiteren 500 km müssen wir uns nun sputen, um noch vor Sonnenuntergang in Calafate anzukommen. Wir sind zwar für Nachtflug ausgerüstet und besitzen auch die erforderlichen Lizensen, nur unser Flugplan schließt Nachtflug nicht mit ein.

Über dem Lago Buenos Aires finden wir wieder die alt bekannten Wellen, welche wir gerne nutzen um Sprit zu sparen. An Chile Chico auf der argentinischen Seite vorbei folgen wir westlich des Monte Zeballos einer gut angezeichneten Wellenlinie. Auch die Welle über dem Lago Pueyrredon funktioniert wie erwartet.

Blick auf den Lago Ghio

Nach jedem guten Lift geht es im schnellen Segelflug-Vorflug Richtung Süden. Im Gleitflug ohne Motor sind wir offensichtlich schneller als im reinen Motorflug, da wir den Propeller aufgrund eines technischen Problems nicht auf Reiseflug stellen können.

Am Lago Belgrano haben wir den letzten starken Aufwind, den wir bis 5.200 m voll ausnutzen um mit der Höhe Fahrt zu machen.

Nordöstlich des Lago San Martin liegt ein tief verschneites Hochplateau welches uns bei der tief stehenden Sonne in seinen Bann zieht! Ein paar Fotos und schon muss es weiter gehen, die Zeit wird knapp.

Eisige Welten – nicht besonders gut für eine Aussenladung geeignet

Vor Erreichen des Lago Viema ein letzter kleiner Aufwind und dann schnell nach Hause!

Einsamer Vulkankegel vor dem Lago Tar

Nach 9 Stunden und 58 min landen wir bei letztem Licht in Calafate. Für die Strecke von 1.397 km nutzten wir unseren Motor ca. 6 Stunden und flogen im Segelflug ca. 4 Stunden, was einem Schnitt von ungefähr 140 km/h entspricht. Beim reinen Segelflug zwei Tage zuvor nach Norden, hatten wir für die gleiche Strecke einen Schnitt von 185 km/h.

Als letzte verlassen wir das Flughafengebäude, nur noch ein paar Reinigungskräfte sind noch da. Danke an den Controller, dass er so lange auf uns gewartet hat!

2019.09.20 Zurück gegen den Wind nach Süden

Nach einer guten und ausreichenden Nachtruhe genießen wir ein umfangreiches Frühstücksbuefett im Malargüe Inn.

Danach geht es zurück zum Flugplatz um möglichst weit nach Süden gegen den noch vorherrschenden Wind zurück Richtung Calafate zu fliegen. Gegen Mittag kommen wir nach einigen Gesprächen mit den freundlichen Mitarbeitern des Flugplatzes in die Luft.

Mit Motor geht es nach Süden Richtung Rio Grande. Da das Gelände sehr schnell ansteigt, müssen wir zuerst mal mit dem Motor Höhe gewinnen.

Das Rio Grandetal

Wir folgen dem Rio Grande Tal und schalten bei den vorhandenen Blauthermikbärten immer wieder den Motor aus. Die erreichbare Basis ist letztlich aber doch zu niedrig, um im reinen Segelflug nach Süden zu fliegen. Zudem sieht die Landschaft hier sehr wild aus und als einzige Aussenlandemöglichkeit bieten sich hin und wieder kurze Abschnitte der neben dem Fluß entlang führenden teils asphaltierten Straße an.

Nach Chos Malal finden wir einige wellenartige Strukturen, welche wir bei unserem Weg nach Süden nutzen. Bei Zapala dann nahe der Berge gut sichtbare und ausgebildete Wellen die wir gerne für das weitere Vorankommen nutzen.

Westlich von Zapala

Kurz vor Sonnenuntergang kommen wir bei sehr starken Bodenwinden in Bariloche an. Leider bekommen wir keinen windgeschützten Abstellplatz und müssen hoffen, dass der Wind über Nacht nicht stärker wird.

2019.09.19 Windvorhersage verspricht sehr gute Bedingungen über der Cordiliere

Schon über zwei Tage hinweg zeichnete sich ab, dass ein durchgehendes Windfeld aus Südwest weit nach Norden reichend im Anmarsch ist.

Dieses Windfeld wollte Klaus nutzen um einen Langstreckenflug mit geplanten
2.000 km anzugehen.

Wellenstrukturen auch im hohen Bereich

Anbei der detaillierte Flugbericht eines aussergewöhlichen Flugtages:                                 https://soaring-for-science.com/2019-09-19-auf-nach-norden

2019.09.17 Starker Wind und ein gleichmäßiger positiver Windgradient mit der Höhe lassen hoffen

Nach dem das Windprofil eine starke SüdWest Strömung vorhersagt hat und auch das Perlanteam einen Flug angemeldet haben, stehen wir früh auf um rechtzeitig unseren Flugplan abgeben zu können. Da Klaus sich die Option für den Höhenrekord offenhalten möchte, haben die Flugpläne eine Vorlaufzeit von 2 Stunden! Die Flugpläne müssen in der AIS handschriftlich ausgefüllt werden und jeder Sachbearbeiter wünscht andere Details.

Kurz nach dem Perlanschleppzug starten auch wir. Nach einer kurzen Motorlaufzeit geht es bei 60 km/h aus 240 Grad an den fast windparallelen Hang. Wir haben unseren Start etwas zu sportlich begonnen und finden uns nach kurzer Zeit im Parterre, ohne echte Aussenlandungsoption wieder. Ein Kegelberg westlich von El Calafate bringt den erhofften Lift mit dem Einstieg in die Welle.

Entgegen des Wetterberichtes haben wir fast klares Wetter mit phänomenalen Sichten. Es geht nach Nordwesten weiter einer Wellenlinie folgend. So können wir bis kurz vor dem Gebiet um den Fitz Roy in gutem Steigen weiter nach Norden fliegen. Leider bremst uns die chilenische Grenze aus, welche wir nicht überfliegen dürfen!

Links der Upsalagletscher und oben der Cerro Torre

Schnell haben wir Flugfläche 195 erreicht und Klaus bekommt die Freigabe weiter zu steigen. Thomas muss zurück bleiben und nutze die Zeit Fotos zu machen und die Wellen nach Süden zu erkunden.

Perito Moreno Gletscher

Auf meinem Heimweg nach El Calafate meldet sich auch Klaus, der in 9.000 m seinen Steigflug bei -50 Grad Celsius abgebrochen hat.

Die Landung bei Wind von 50 km/h in Böhen bis 70 km/h wird sportlich und das Rollen bei einem so starken Querwind zur Schlingerfahrt.

Da derartig klare Sichten selten sind, werden wir noch lange von diesem Tag träumen!